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Fachbücher

 
Publikationsnummer FBCH129
Autor Lierke, Rosemarie
 
Titel
Die nicht-geblasenen antiken Glasgefäße - The non-blown acient glass vessels
 
Stichworte
 
Journal
Veröffentlichungsjahr 2009
Band
ISS
Seite 134
 
Kurzbeschreibung
Einleitung
Die hier vorgelegte knapp formulierte Übersicht wendet sich vor allem an Studenten, denen ein Leitfaden und Gerüst zum Einstieg in die frühe Glasgeschichte gegeben werden soll. Mein Anliegen ist es, die logisch nachvollziehbaren Entwicklungsschritte in der Herstellung der nichtgeblasenen Glasgefäße aufzuzeigen, die es sowohl vor- als auch nach der Erfindung des Glasblasens gegeben hat. Die frühen ägyptischen und mesopotamischen und die späteren mediterranen Kerngefäße sind dabei nur ein Randthema, da ihre Herstellung weitgehend geklärt zu sein scheint und sich problemlos in eine logische Entwicklung einfügt.
Schwerpunkt des Buches sind die hellenistischen und vor allem die römischen Glasgefäße, bei denen sich eine logische Entwicklungsfolge bisher nicht abgezeichnet hatte. Als eine Art roter Faden durch den Hauptteil des Buches führen die typischen umlaufenden Kratzer dieser Gläser, die offensichtlich Herstellungsspuren darstellen. Sie werden häufig als Kratzer bezeichnet - was ihrem Erscheinungsbild entspricht - aber sie werden in der Regel als Schleifspuren gedeutet. Das hat teilweise zu erheblicher Verwirrung geführt, denn als Ursache der Kratzer nimmt man z. B. an, die betroffenen Gefäße seien auf einer Drehbank geschliffen bzw. ‚abgedreht’ worden – bei Holz würde man das ‚gedrechselt’ nennen. Heute kann man es sich schwer vorstellen, dass moderne Glasgefäße – Inbegriff der Fragilität - auf einer Drehbank aus einem Rohling geschliffen werden. Kann man so etwas wirklich den römischen Meistern zutrauen? Keiner zweifelt daran, dass die römischen Glasverarbeiter hochspezialisierte und talentierte Künstler waren, schließlich haben sie die großartigen Kameogläser hervorgebracht, die auf ihrer Innenseite meist auch die umlaufenden Spuren tragen. Doch wurden diese Gläser wirklich aus einem Überfangglas geschliffen? Erst knapp hundert Jahre nach der Entstehung der ersten Kameoglasgefäße gab es die ersten einfachen Facettenschliffgläser. Kann das Kameoglas das Spitzenerzeugnis der Glasschneidekunst aller Zeiten sein - 100 Jahre bevor diese Kunst überhaupt erst begann?
Es lohnt sich, die antiken Gefäßtypen in annähernd chronologischer Reihenfolge auf ihre mögliche Herstellung zu untersuchen und dabei besonders darauf zu achten, ob die meist präsenten typischen Spuren tatsächlich Schleifspuren sein können. Der Verdacht wird sich erhärten, dass mit dieser Vorstellung etwas nicht stimmen kann – und das wird durch wissenschaftliche Untersuchungen auch bestätigt. Glasschliff hat in der Antike bei weitem nicht die Rolle gespielt, die man ihm heute zumisst.
Wir werden feststellen, dass die antiken Meister Virtuosen einer ganz anderen Technik waren, einer Glasverarbeitung die aus einer der ältesten und einfachsten Techniken überhaupt hervorging, dem Pressen des Glases. Die Kunst der antiken Meister bestand darin, diese einfache Technik auf verschiedenste Art und Weise zu kombinieren, zu perfektionieren und abzuwandeln.
Auch die Herstellung der antiken Meisterwerke - Kameoglas und Glasnetzbecher - wird auf einmal logisch nachvollziehbar und passt in die Zeit. Immer wurde das Glas bei dieser Verarbeitung in oder über Formen gedreht – und dabei müssen auch die Kratzer entstanden sein.

Inhalt
Vorwort Einleitung 1. Zum technischen Verständnis 2. Was ist Glas? 3. Metalloxide färben das Glas 4. Temperaturkontrolle nach Glutfarben 5. Glasverarbeitung vor dem Blasen 6. Formen und Formmaterial für Glas 7. Die Oberflächenspannung des Glases 8. Spannungen 1 – ein Kühlproblem 9. Spannungen 2 – ein Materialproblem 10. Ein Paradoxon – ‚langes Glas’ 11. Der Beginn der Glasgeschichte 12. Von der Quarzkeramik zum Glas 13. Von der Kupferschmelze zur Rohglasproduktion 14. Rohglasbrocken und Farbglasbarren 15. Die Verarbeitung des Rohglases 16. Frühe Glasobjekte 17. Die Kerngefäße 18. Frühe Kerngefäße 19. Frühe Mosaikgefäße 20. Ein frühes Emailgefäß 21. Die Verwendung einer Drehscheibe 22. Eine Zeit des Wandels 23. Die Stachelfläschchen 24. Späte Kerngefäße 25. Frühe Gefäße aus ungefärbtem oder einfarbigem Glas 26. Die Sargonvase 27. Gepresste Schalen 28. Glasphialen 29. Eine neue Technik – Absenken 30. Rätselhafte Spuren - 31. - führen durch die Jahrhunderte 32. Kretische Dosen 33. Die antiken Luxusgefäße bis zur Zeitenwende 34. Große Fußschalen 35. Die Amphora 36. Glasskyphoi - 37. - auch sie gepresst 38. Goldglas 39. Gepresstes Glas mit Schliffrillen 40. Reticellaschalen 41. Mosaikschalen 42. Gebändertes Glas – Achat-, Onyx- oder Goldbandglas 43. Eine tiefe Schale 44. Zwei unterschiedliche Alabastra 45. Mosaikglasdosen 46. Glas – vom Luxus zum Alltag 47. Die Vorstufen des Glasblasens 48. Flaschen-Vorformen 49. Abgesenkte Flaschen 50. Ein besonderes Merkmal 51. Römisches Gebrauchsglas und die Deutung der umlaufenden Spuren 52. Rippenschalen 53. Die Entwicklung der Rippenschalen 54. Die Herstellung der Rippenschalen 55. Rippenschalen – Details 56. Umlaufende Spuren sind ‚heiße Kratzer’ 57. Es sind keine Schleifspuren! 58. Keramikähnliche Gefäße 59. Angeblich auf der Drehbank gedreht 60. Hier wurde tatsächlich gepresst 61. Kameoglas 62. Ein Kameoglas-Vorläufer 63. Glaskameo-Heißformung 64. Ein Vergleich: Geblasenes Glas – die Portlandvase 65. Spurensuche Portlandvase 66. Spurensuche Blaue Vase 67. Spurensuche Auldjokanne 68. Nahe Verwandtschaft: Reliefkeramik 69. Das Prinzip der Kameoglasherstellung 70. Kameoglas-Henkel 1 71. Kameoglas-Henkel 2 72. Die Herstellung der Auldjokanne 73. Relief- und Schliffglas, Glasnetzbecher 74. Schliffglas – ein Problem 75. Facettenschliff 76. Figürlicher Schliffdekor 77. Reliefglas – kein Hochschnitt 78. Schliffdekor des 4. Jhs. (Zeit der Diatretgläser) 79. Diatreta oder Glasnetzbecher 80. Die Glasnetzbecher und ihre Spuren 81. Glasnetzbecher – die Stege 82. Doppelwandiger Rohling – Pressen 83. Doppelwandiger Rohling – Schleifen 84. Figurendiatrete 85. Der Lykurgosbecher 86. Haftungsausschluß für Diatretgläser 87. Ein Nachspiel – die Hedwigsbecher 88 . Die Entwicklung der Glasschneidekunst 89 Das Fazit 90 Plinius: aliud torno teritur 91 Bibliographie

Das Buch ist komplett zweisprachig in deutsch und englisch abgefaßt.
 
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