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Glasmuseum Wertheim

Das GLASMUSEUM WERTHEIM wurde 1976 auf Initiative des Glasphysikers und Unternehmers Dr. Hans Löber (1900-1978) gegründet und geht zurück auf die Wertheimer Laborglasindustrie. Den Grundstein der heute noch ansässigen Glasindustrie legte eine Gruppe thüringischer Glasfachleute, die sich nach 1945 in Wertheim ansiedelte und zu der auch Dr. Hans Löber gehörte. 1950 gründeten sie das „Glaswerk Wertheim“ (1950-1993, heute Schott Medica) und sicherten so die Rohstoffquelle für die nachkommende glasverarbeitende Industrie.

Träger des GLASMUSEUM WERTHEIM ist der „GLASMUSEUM WERTHEIM e. V.“, dessen Ziel es ist, die Vielfalt des Werkstoffes Glas anhand der unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten in Kultur, Wissenschaft und Technik zu vermitteln sowie jungen Glaskünstlern ein öffentliches Forum für ihre Kunst zu bieten.

Das GLASMUSEUM WERTHEIM präsentiert seine Exponate in zwei Häusern, die die Stadt Wertheim dem GLASMUSEUM WERTHEIM zur Nutzung überlassen hat: dem „Großen Haus“ mit einer Ausstellungsfläche von 400 qm (seit 1972) und dem „Kleinen Haus“ mit einer Ausstellungsfläche von 250 qm (seit 1996).

Der Bestand des GLASMUSEUM WERTHEIM umfasst rund 2200 Objekte, erworben durch Ankäufe (47 %), private Schenkungen (48 %) und Dauerleihgaben (6 %). Ausgangspunkt war die Privatsammlung von Dr. Hans Löber mit rund 250 Glasobjekten – vom antiken Sandkerngefäß bis zum Glas des 20. Jahrhunderts – die dieser 1976 als Stiftung in den Bestand des GLASMUSEUM WERTHEIM einbrachte. Zu Ehren des 100jährigen Geburtstages des Gründers erhielt das GLASMUSEUM WERTHEIM daher im Jahr 2000 den Zusatz „Hans-Löber-Stiftung“.

Dieser Grundbestand hat sich nach kunst- und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten auf bis heute 2200 Objekte erweitert und wurde mit Produkten aus der Wertheimer Laborglasindustrie ergänzt, so dass die Sammlung einen repräsentativen Querschnitt von historischen, technischen und zeitgenössischen Glasobjekten vorweisen kann: ägyptisches Luxusglas, islamisches Glas, mittelalterliches Waldglas mit Schwerpunkt Spessart, venezianisches Glas, geschliffene, geätzte und überfangene Gläser des Barock, Jugendstil und Biedermeier, Gebrauchs- und Industrieglas des 19. bis 21. Jahrhunderts mit Schwerpunkt Wertheimer Laborglas sowie moderne, internationale Studio- und Lampenglaskunst.

Zum weiteren Bestand des GLASMUSEUM WERTHEIM gehören:
- rund 500 Objekte an historischem und modernem Christbaum-schmuck mit Schwerpunkt Thüringen, die in der jährlichen WEIHNACHTSAUSSTELLUNG (1. Advent bis 6. Januar) präsentiert werden,
- die rund 3000 Glasperlen umfassende Sammlung der Mainzer Wissenschaftlerin Thea Elisabeth Haevernick (1899-1982) aus der Zeit von ca. 1500 v.Chr. bis ins frühe Mittelalter (inkl. des gesamten Archivs, seit 1982), auszugsweise im extra dafür eingerichteten GLASPERLENKABINETT ausgestellt,
- rund 40 Gläser der Privatsammlung „FRANZ WENDLER – geschliffene Gläser nach Böhmischer Art“, gestiftet von Günther Langhans (seit 2000) und in der Dauerausstellung des „Großen Hauses“ präsentiert,
- die aus rund 600 Objekten bestehende Privatsammlung „ROTES GLAS“ aus dem Nachlass von Prof. Horst und Gisela Scholze (seit 2003).

Exponate

Museumsglasbläser beim Herstellen eines venezianischen Flügelglases
Glasaugen aus Wertheim (Foto: Manfred Obst)
Schusterkugel - Wird die Hand größer oder kleiner?
Rotes Glas/Sammlung Scholze, "Liegende" (Josef Welzel)
Liebesbarometer (DGW Dietmar+L.Schneider, beide Wertheim Glasindustrie)
Rund 1500 Objekte präsentiert das GLASMUSEUM WERTHEIM als Dauerausstellung in den beiden Häusern:
- Die Eingangshalle des „Großes Hauses“ mit Museumsshop und Museumsglasbläserei ist der Herstellung von Glas gewidmet. Im Shop gibt u. a. A wie Altglasobjekte sowie Meisterstücke der Glasfachschule Z wie Zwiesel. In der Museumswerkstatt zeigt der Museumsglasbläser täglich „vor der Lampe“ den Umgang mit heißem Glas und lädt zum Glaskugelblasen ein. Im ersten Stockwerk beginnt der Rundgang durch das Glas-ABC mit den Buchstaben A bis K, wobei sich um ein jeweiliges Schwerpunktthema sowohl historische als auch moderne Glasbeispiele gruppieren: A wie Aegyptische Luxussalbgefäße stehen neben modernen Ampullengläsern der Wertheimer Glasindustrie, unter C gibt es Thüringer Christbaumschmuck neben venezianischem Cristallo-Glas, unter I findet sich die Sammlung Islamlischer Gläser neben Isoliergefäßen der ehemals thüringischen Firmen Helios und alfi aus Wertheim, unter J gibt es Produkte aus Jenaer Glas neben Jugendstil-Römern von Franz Wendler (Rheinbach), unter G Glas aus Thüringen und dem Spessart, unter K historische Kelchgläser aus geschliffenem Kristallglas.
- Im zweiten Stockwerk geht es weiter mit Glasbeispielen von L bis R. L wie Laborglas gibt einen Überblick über die Produkte der Wertheimer Laborglasindustrie. Daneben befinden sich unter L wie "Linsen, Lupen, Licht bewegen" und M wie "Messen mit Glas" die beiden das Spiel- und Experimentierfelder, die das GLASMUSEUM WERTHEIM mit dem Mobilen Museum für Kinder und Kunst (kuk) von der Ochsenfurter Spielbaustelle eingerichtet hat (seit 2005). Rund 20 spielerische Experimente, u. a. mit Spiegeln, Lupen, Prismen, Thermometern, Temperaments-Messer, lösen durch Anfassen, Experimentieren, Suchen und Selbst entdecken so manche knifflige Frage auf spielerische Weise. Weiter geht es zu N wie Natürliches Glas, O wie Optisches Glas, P wie Pellets, dem Rohglas für die Textilglasproduktion der Wertheimer Firma Schuller/Johns Manville. R wie Rohstoffe und Röhren und die Glasgemengeanlage, gestiftet von der Fa. Zippe aus Wertheim (seit 2008) beenden im 2. Stockwerk den Rundgang im Großen Haus.
- Im Erdgeschoss des „Kleinen Hauses“ präsentiert das GLASMUSEUM WERTHEIM Wechselausstellungen zu aktuellen Glasthemen: Glas + Technik, Glas + Kunst, Glas + Geschichte.
- Im Obergeschoss präsentiert das Glasmuseum unter S wie Studioglas seine Internationale Sammlung zeitgenössischer Studio- und Lampenglaskunst. Weiter im Glas-ABC geht es mit T wie Teleskop bis zu Z wie Zeisslinse und gläserne Zähne. Darin integriert sind Murmelspiele für Jung und Alt, unter W wie Wissenschaftliches Glas die seit 2001 bestehende Dauerausstellung „Glas für Wissenschaft und Industrie“, die anhand von 13 Stationen die Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaften bis hin ins moderne Industriezeitalter widerspiegelt und anschaulich den kulturgeschichtlichen Zusammenhang des technischen Werk(t)stoffes Glas vermittelt.
- Das „Glasperlenkabinett" (seit 1998), hervorgegangen aus der Haevernick'schen Glasperlensammlung zeigt die Kulturgeschichte der Glasperle unter besonderer Berücksichtigung der Herstellungsweise und Hervorhebung der wissenschaftlichen Verdienste von Thea E. Haevernick. Die Entwicklung wird ergänzt durch eine eigene kleine Ausstellung zu zeitgenössischer Glasperlenkunst, die Glasperlenkünstlerinnen aus ganz Deutschland unter dem Titel "X wie Xeno-Perlen in XXL und XXS" präsentieren.


Publikationen

Hans Löber: 20 Jahre Glas in Wertheim
55 S. 13 Schw/W-Abb. Marktheidenfeld 1970. Vergriffen.

Glasmuseum Wertheim
Ein Führer durch seine Bestände. Hrsg. vom Förderkreis Wertheimer Glasmuseum e.V., bearbeitet von Heinz-Peter Mielke. 228 S., 14 Farb- und ca. 214 Schw/W-Abb. Wertheim 1977. Vergriffen.

Mainfränkische Weingläser
Ausst. Kat. mit Beiträgen von Ernst Tochtermann, Siegfried Eck, Hermann Ehmer und Jörg Paczkowski. 41 Seiten, 78 Schw/W-Abb. Wertheim 1982. Vergriffen.

Spechtergläser
Ausst. Kat. mit Beiträgen von Ernst Tochtermann, Siegfried Eck, Herbert Six u.a. Hrsg. vom Förderkreis Wertheimer Glasmuseum e.V. 119 S., 18 Farb- und ca. 213 Schw/W-Abb. Wertheim 1986. 5,00 Euro


Glasmuseum Wertheim
Museumsführer aus der Reihe „museum“. Georg-Westermann-Verlag. 130 S., 28 Farb- und 68 Schw-/W-Abb. Braunschweig 1991. 5,00 Euro

Josef Welzel: „Die Amphore des Kaisers“ – Die Portlandvase und ihr Einfluß auf die Kameotechnik bis heute – Ausst. Kat., Hrsg. vom Förderkreis Wertheimer Glasmuseum e. V. 32 S., 6 Farb- und 38 Schw-/W-Abb. Wertheim 1992.

Josef Welzel: „Becher aus Flechtwerk von Kristall“ Diatretgläser, ihre Geschichte und Schleiftechnik Ausst. Kat. Hrsg. vom Verein der Freunde und Förderer der Erwin-Stein-Schule Staatliche Glasfachschule Hadamar. 50 S., 5 Farb- und 80 Schw/W-Abb. Hadamar 1994. Vergriffen.

Vom handwerklichen Glas zur High Tech Faser. 100 Jahre Schuller, 60 Jahre Textilglas
Hrsg. von der Schuller GmbH mit einer Einführung von Paul Hahmann. Deutsch und Englisch. 69 S., 60 Schw/W-Abb. Wertheim 1996.

Briefbeschwerer aus Glas. Paperweights zum Sammeln und Verschenken. CD-Rom zur Ausstellung April bis Oktober 2005. Wertheim 2005. 5,00 Euro.

Historischer und moderner Weihnachtsschmuck aus Glas. CD-Rom zur Ausstellung. Wertheim 2004. 5,00 Euro.