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Das Wald-Glas-Zentrum Gersbach im Schwarzwald


Gersbach - Ortsteil von Schopfheim, Landkreis Lörrach im Südschwarzwald, hier finden sich auf engem Raum viele gut sichtbare Zeugnisse der Köhlerei, des Bergbaus, der barocken Wehrschanzen und der einstigen Waldglashütten. Neben den Bauern, den Bergleuten und den Köhlern waren die Gersbacher Glaser einst ein wichtiger Pfeiler der Gersbacher Berufs- und Bevölkerungsstruktur. Die Herstellung des Glases prägte die kulturelle Geschichte im südlichen Schwarzwald und des Nebeneinanders. Davon zeugen heute vor allem noch die Familiennamen von der einstigen Herkunft und Beruf. Daneben sind Flur-, Gewann- und Gewässernamen wichtige Hinweise auf die Arbeit der einstigen Glaser und die im Landschaftsbild auffälligen Rodungsinseln.

Im gesamten Schwarzwald wurden bislang rund zweihundert Glashütten historisch nachgewiesen, davon acht im Kleinen Wiesental. Gemeinsam mit fünfzig Nachweisen von Glashütten im benachbarten Raum des Großen Wiesentals und angrenzender Regionen dokumentieren sie die exponierte Stellung dieses Raumes bei der Glasherstellung im südlichen Schwarzwald. Während die historischen Glaswüstungen des nahen Hotzenwaldes und der des mittleren Schwarzwaldes auch wissenschaftlich umfassend gewürdigt wurden, waren die Glashütten im Großraum Gersbach sowie der westlich anschließenden Zone des Großen und des Kleinen Wiesentals bis über das Kandertal mit wenigen Ausnahmen völlig unbekannt.

1985 bis 2012 erforschte die AG MINIFOSSI, eine Schüler-AG der Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim, erstmals intensiv die historischen Glashüttenstandorte. Das nun vorliegende Quellen- und Forschungsmaterial lässt den Schluss zu, dass zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert wenigstens zehn Glashütten im südlichen Schwarzwald arbeiteten. Ein regionaler Schwerpunkt der Glasherstellung im Umfeld des Kleinen Wiesentals kristallisierte sich zum Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts heraus: Hägelberg vor 1500 (bis 1570), Glashüttenhof 1504, Weitenau um 1514, Schlächtenhaus 1517, Malsburg um 1550 (bis 1576), Sallneck um 1550 (bis 1600), Wambach um 1585 (bis 1596), Stockmatt um 1600 und Wildböllen um 1607. Das Schwarzwälder Wald-Glas-Zentrum, 2008 zusammen mit der rekonstruierten Barockschanze sowie einem Info-Pavillon geplant und innerhalb eines Jahres in die Tat umgesetzt, feierte 2018 sein zehnjähriges Bestehen.

Exponate

Es werden regionale Oberflächenfunde von Glas- und Keramik-Fragmenten der acht Glaswüstungen von Gersbach und Fetzenbach gezeigt sowie von den nahen Glashütten in Schwarzenbach, Hütten, Riedichen und Wambach. Zu den bekanntesten Glasbläser-Dynastien Süddeutschlands und der Schweiz zählen die Greiners und die Siegwarths, die auch hier vorort und in unmittelbarer Nähe arbeiteten. Mit Blick auf den Hochschwarzwald sind auch Exponate von Scharfenstein im Münstertal ausgestellt. Überregionale Ausstellungsstücke kommen aus Thüringen und Bayern. Internationale Objekte stammen von Smaland (Südschweden), aus Murano (Venedig), Grönland und Zentral- und Nordafrika. Besondere mineralogische Objekte sind die verschiedenen Naturgläser. Darunter auch Lybisches Wüstenglas.
Es finden sich auch Exponate der römischen Epoche vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. (Augusta Raurica/Kaiseraugst und Cologna/Köln), der fränkischen Epoche (6. bis 7. Jh.), der venezianischen Epoche (13. Jh.) sowie Objekte des 13. bis 18. Jh. aus dem Schwarzwald.

Am interessantesten sind die hier gefundenen Fragmente eines Schaffhauser Bechers. Archäologisch selten ist die fast komplette Umrandung eines Glasofen-Arbeitsfensters. Sowie eine komplett intakte originale Waldglasflasche aus Röttlerweiler (15. - 16. Jh.) bei Lörrach (Vorderes Wiesental).

Rekonstruierter Teil eines Schwarzwälder Glasofens
Vitrinen mit originalen Funden und Repliken
Fragmente eines Arbeitsfensters eines Glasofens
Ton- und Glasfragmente, Fundort Gersbach
Fragmente vom Scharfenstein, aus Röttlerweiler und dem Hotzenwald
Lokale Oberflächenfunde von benachbarten Glaswüstungen

Publikationen

Jenisch, Bertram (2008): „Wie man in den Wald hineinruft … Denkmalerfassung im Südschwarzwald am Beispiel der Glashütten von Gersbach“, Kreis Lörrach in: Stratigraphie und Gefüge - Beiträge zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und zur historischen Bauforschung, Band 28, S. 47-56, Hrsg. Regierungspräsidium Stuttgart - Landesamt für Denkmalpflege. Konrad Theiss Verlag Stuttgart.

Störk, Werner (2009): „Im neuen Wald- und Glas-Zentrum von Gersbach: „Auf den Spuren der historischen Waldglas-Hütten", Sonderdruck aus: Geschichtsverein Markgräflerland, Bd.1/2009, S. 89-103, mit 22 Abbildungen.

Plein, Irene (2009): „Denkmalpflegepädagogik in Baden-Württemberg - Methodik, Projekte, Angebote, Unterrichtsmaterialien", hier: "Projekt Minifossi" (mit 4 Abb.), S. 208 - 216, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Nachrichtenblatt der Denkmalpflege, 38. Jahrgang, 4/2009, Herausgeber Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Verbindung mit den Fachreferaten für Denkmalpflege in den Regierungspräsidien.

Werner Störk (2014): Ein einzigartiger Fund: „Das Krone-Fläschchen“, in: Das Markgräflerland – Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, herausgegeben vom Geschichtsverein Markgräflerland e. V., Band/Jahrgang 2014, Seite 69-75 mit 8 Abbildungen, Verlagsort Schopfheim, Uehlin Print und Medien Schopfheim.